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Einbruchversicherung: Leistungskürzung bei grober Fahrlässigkeit

(ho) Ist man Opfer eines Wohnungseinbruchs geworden, hat man bei allem Unglück noch Glück, wenn eine Versicherung gegen Einbruchsschäden (Hausrats- oder Gebäudeversicherung) besteht, die den Schaden unbürokratisch und schnell reguliert. Ist aber dem Versicherungsnehmer selbst grobe Fahrlässigkeit am Eintritt des Versicherungsfalles anzulasten, kann der Versicherer die Entschädigung kürzen (§ 81 Abs. 2 VVG - Quotenmodell). Dies gilt auch im Falle der groben Fahrlässigkeit von Mitbewohnern und Gästen, für die der Versicherungsnehmer einstehen muss. In der Rechtsprechung hat sich eine große Fallkasuistik herausgebildet, in der grob fahrlässige Mitschuld am Eintritt des Versicherungsfalles angenommen worden ist. Folgende Merkpunkte und Beispiele mögen zur Veranschaulichung dienen:

  • Offenes liegen lassen von Wertsachen
  • Fenster in Kippstellung, offene Terrassentüren,
  • Unterlassenes Abschließen der Gebäudeaußentür (Haustür) oder der Wohnungstür,
  • Unterlassenes Verschließen eines arretierbaren Fenstergriffs für einen Zeitraum von über 11 Stunden,
  • Deponierung des Schlüssels unter der Fußmatte oder in anderen bekannten Verstecken
  • Zugang des Täters zur Wohnung durch die ungesicherte Garage oder durch den ungesicherten Keller
  • unkontrollierte Bekanntgabe der eigenen längeren Abwesenheit, zum Beispiel der urlaubsbedingten Abwesenheit.

Beispiel:

  • Versicherungsnehmer V verlässt seine Wohnung und zieht dabei die Wohnungstür nur hinter sich zu, ohne sie abzuschließen. Denn er möchte nur seinen Keller aufsuchen, um dort handwerkliche Arbeiten zu erledigen. Auf dem Weg trifft er im Hausflur Nachbarin N und lässt sich von ihr spontan zum Kaffee in deren Wohnung einladen. Während der Abwesenheit des V wird in dessen Wohnung eingebrochen. Hausratsversicherer H wendet grobe Fahrlässigkeit ein und will seine Leistung kürzen. V klagt.
    Das LG Kassel (LG Kassel, Urteil vom 27.5.2010 – 5 O 2653/o9, zit. nach juris) gibt dem Hausratsversicherer Recht. Das Zuziehen der Wohnungstür ohne deren Abschließen begründe jedenfalls dann den Vorwurf grober Fahrlässigkeit (§ 81 Abs. 2 VVG), wenn Ziel ein nicht ganz unerhebliches zeitliches Verlassen der Wohnung ist.

Dann zum Fall der offenen Bekanntgabe der eigenen längeren Abwesenheit:

  • Gerade die unkontrollierte Bekanntgabe der eigenen längeren Abwesenheit wird im digitalen Zeitalter der social-media Dienste virulent, wenn zum Beispiel in digitalen Kommunikationsforen angekündigt wird, wann man den Urlaub fährt, wohin, wie lange man abwesend ist und dazu noch auf die Heimatsadresse geschlossen werden kann.
    Versicherer werden in diesem Falle eine Gefahrenerhöhung einwenden, die - falls nicht angezeigt und vom Versicherer akzeptiert - im Schadensfall zur Leistungsfreiheit führen kann (vgl. § 24 Nr. 5 a) Anzeigepflicht bei Gefahrenerhöhungen § 23 VHB 2004 - Fassung 2008).

Beispiel:

  • Es stellt aber keine Gefahrenerhöhung dar, wenn der Versicherungsnehmer durch eine Zeitungsanzeige, in der lediglich die Handy-Rufnummer des Ehegatten, nicht aber die Wohnanschrift angegeben war, Kunstgegenstände zum Verkauf anbietet und diese den Kaufinteressenten in dem versicherten Wohngebäude zeigt (So wörtlich: OLG Köln, Urteil vom 30. Mai 2006 - 9 U 199/05, zitiert nach juris).

Nähere Informationen zur Einbruchsversicherung und zur eigenen Prophylaxe vor Diebstahl, Einbruch und Beraubung auch auf Reisen gibt die Broschüre „Einbruchschutz", die bei Haus & Grund Solingen bezogen werden kann (76 Seiten, ISBN-Nr. 978-3-939787-84-6, Preis 10,95 € zzgl. Versandkosten bei Einzelbestellung).

© Dr. Hans Reinold Horst

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